2014 – Ukrainekrise, Ebola, PKW-Maut. Um in all diesem Schlamassel die Stimmung zu lockern, verspricht die Politik uns den Breitbandausbau bis Ende 2018 für jeden Haushalt mit mindestens 50 Mbit/s. Das Handelsblatt berichtete Mitte diesen Jahres.

Fünf Jahre später, prüfe ich zum 10. mal diesen Jahres die Verfügbarkeit von MagentaZuhause an unserem Anschluss. Kein Erfolg, die schnellste Verbindung, welche uns vorgeschlagen wird, ist MagentaZuhause Hybrid – genau die, welche bereits vorhanden ist und dank der allerletzten, ranzigen SpeedPort Hard- und Software, geringer LTE-Geschwindigkeit und noch geringerer DSL-Geschwindigkeit ein Witz ist. Von den 2014 seitens der Telekom propagierten 50 Mbit/s mit MagentaZuhause Hybrid, die zeitweilig tatsächlich geliefert wurden, kommen heute noch 16 Mbit/s. Und da müssen wir schon eine günstige Zeit erreichen.

Donnerstag 19 Uhr im reinen LTE-Betrieb
2009 hat angerufen und möchte seine Hausanschluss-Transferraten zurück

So ganz wollten wir uns noch nicht geschlagen geben. Also riefen wir die Telekom an. Der Serviceberater teilte mit, dass MagentaZuhause L mit 100 Mbit/s in Empfangsrichtung verfügbar sei. Nanu? Ich teilte ihm meine Sorge mit, dass das nicht stimmen könnte, da die Verfügbarkeitsprüfung mit Adresse und Telefonnummer ein anderes Prüfergebnis lieferte.

Die Dartscheibe: Wichtiger mutmaßlicher Bestandteil der Terminplanung und -vergabe der Telekom

Bild: Quelle, Lizenz: GNU Free Documentation License 1.2

Er meinte das passe alles, wir klärten die weiteren Begebenheiten und erklärten, dass wir unseren Router selbst beschaffen würden. (Die Miet- und Kaufangebote der Telekom für Router sind ein Witz für sich, ich möchte jetzt nicht konkreter darauf eingehen.)

Der Serviceberater teilte uns den recht frühen Umschalttermin in vier Tagen mit. Diese scheinbar kurzfristige Terminverfügbarkeit freute uns. Ich erkundigte mich noch wie mit den Zugangsdaten zu verfahren sei und ob wir diese per Post erhalten würden – er bejahte dies.

Im Bild markiert: Telekom-Serviceberater Hannes – sein Vorgesetzer in Reihe 1 passt nicht auf, daher verkauft Hannes Internetverträge, für die gar keine Anschlüsse existieren

Bild: Quelle, Lizenz: CC-BY-SA 2.0, Änderungen: Rote Markierung

Heute ist Donnerstag, drei Tage später und nachdem unsere Fritz!Box, bestellt über Amazon, bereits am Tag nach der Bestellung da war, warteten wir vergebens auf einen Brief der Telekom. Da wir einen Ausfall des Internet aufgrund fehlender Zugangsdaten vermeiden wollten, riefen wir also heute nochmals bei der Telekom an.

Die Serviceberaterin teilte uns mit, dass der Termin am Freitag keineswegs verbindlich gebucht wurde. Auch Zugangsdaten würden wir keine neuen erhalten, die alten behielten ihre Gültigkeit. Uns wurde mitgeteilt, dass der nächste Termin für Mittwoch den 23.10 oder Donnerstag den 24.10. verfügbar sei und sie diesen anfragen würde.

Kurz darauf erhielten wir einen weiteren Anruf der Beraterin, die uns mitteilte, dass MagentaZuhause L an unserem Anschluss nicht verfügbar sei, da alle Anschlüsse die über 50 Mbit/s (das wäre MagentaZuhause M) leisten könnten, bereits belegt wären. Wir erklärten uns mit MagentaZuhause M einverstanden, da eine stabile 50 Mbit/s-Anbindung immernoch besser ist als die derzeit 14-16 Mbit/s leistende DSL+LTE-Lösung oder die 6 Mbit/s DSL-Verbindung allein.

Das Gänseblümchen – mutmaßlicher Hauptbestandteil des Telekom Verfügbarkeitschecks

Bild: Quelle – User Alexmenk auf wikimedia.org
Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Kurz darauf erhielten wir einen weiteren Anruf der Beraterin, die Sachlage hatte sich nun weiter verschlechtert. Das gesamte Haus hätte lediglich einen 50 Mbit/s-Anschluss, welcher bereits von einem anderen Teilnehmer genutzt werde.

Das ist wohl dieser “Breitbandausbau” von dem alle reden. Um das kurz zu veranschaulichen, hier ein Bild dieses Einfamilienhauses an dem es natürlich nicht mehr als eines einzigen 50 Mbit/s-Anschlusses bedarf:

Man sieht es trotz der niedrigen Auflösung ganz klar:
Hier handelt es sich um ein 4-stöckiges Einfamilienhaus an dem es nur eines 50 Mbit/s Breitbandanschlusses bedarf.

Doch hier war es noch nicht vorbei. Wir fanden noch ein interessantes, informelles Schreiben vom August von FEXCOM:

VOLLGAS-SURFEN, 250 MBIT/S, Millionen Haushalte, JETZT, Highspeed-Internet, JETZT

Reicht noch nicht? Geht weiter!

Vor 16 Monaten: Baumaßnahmen finden gerade statt, 250 MBit/s

Noch etwas: Die tolle Karte zum Breitbandausbau zeigt für unsere Lokation 100 MBit/s DSL. Einen Screenshot kann ich aufgrund der Lizenzbestimmungen hier nicht einbinden.

Zum Schluss noch etwas zu den monatlichen Gebühren und unserem tollen Breitbandausbau:

Telekomtkchopin.pl
MagentaZuhause S (16/2,4)34,95€NET 60 (60/6)34,90zl/8,15€
MagentaZuhause M (50/10)39,95€NET 150 (150/10)43,90zl/10,25€
MagentaZuhause L (100/50)44,95€NET 300 (300/15)59,90zl/13,98€
MagentaZuhause XL (250/100)54,95€NET 400 (400/20)79,90zl/18,65€
NET 650 (650/30)99,90zl/21,31€

Deutsches Telekom Kupfer-DSL mit Supervectoring (seit Jahren im mühsamen Ausbau befindlich) gegen tkchopin.pl Koaxialkabel-Internet (ohnehin fast überall in Polen vorhanden) im Preis-/Leistungsvergleich.

Nachtrag

Um den 31. Oktober kontaktierten wir wieder einmal die Telekom, da die erwartete Rückmeldung ausblieb. Die Supportmitarbeiterin teilte uns hier mit, dass bis einschließlich Dienstag dem 4. November keine Auskünfte möglich seien, da “das System geupdated” werde.

Die Telekom scheint hier ihr Armutszeugnis aufpeppen zu wollen – 5 Tage ohne Support aufgrund eines “Systemupdates”? Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit kenne ich die ungefähren Abläufe solcher “Updates” oder “Migrationen” und weiß, dass 5 Tage Systemausfall für eine Supportabteilung eines Unternehmens mit

  • über 200.000 Mitarbeitern
  • etwa 13 Millionen DSL-Kunden
  • einem Jahrensumsatz von 75 Milliarden Euro

schlicht nicht notwendig sein dürfen. Sind sie es dennoch, läuft bei der zuständigen Abteilung oder beim zuständigen Dienstleister etwas gewaltig schief.

Nachtrag

Am 6. November dann der nächste Kontakt mit der Telekom. Bis zu 250 Mbit/s seien nun an unserem Anschluss verfügbar – jedoch könne der Mitarbeiter dies nicht freischalten, da die Kollegin den Fall noch bearbeite.

Warum die Kollegin sich nicht bei uns melde, sei ihm nicht bekannt. Er habe ihr eine Mail geschrieben und wir sollen noch 2 Tage auf ihren Rückruf warten. (Datum dieses Nachtrags: 11. November, noch keinen Rückruf erhalten.)

“Die Wege des Telekom-Supports sind unergründlich.”

– Unbekannt

Nachtrag

Am 12. November riefen wir wieder beim Telekom-Support an. Ein nicht sonderlich eloquenter Mitarbeiter aus Leipzig versuchte uns mal wieder abzuwimmeln mit der Methode “da sei bei kein Anschluss verfügbar, da müsse er bei der Technik anfragen, das würde 4 Wochen dauern”. Auf meine Nachfrage was in den 4 Wochen passieren würde, teilte er erst mit, dass in diesen 4 Wochen geschaut würde ob ein Anschluss verfügbar sei. Auf erneute Nachfrage teilte er mit, dass in diesen 4 Wochen ein Anschluss geschaffen würde. Aufgrund der Verdrehungen teilte ich ihm mit, dass ich seinen Vorgesetzten sprechen möchte.

Sein Vorgesetzter war hier nicht viel hilfreicher, lenkte nach einigen Minuten meines latenten “erboster Kunde”-Geschwafels jedoch ein und teilte mir mit, dass er den Tarif buchen würde, was dazu führe, dass sobald der Anschluss frei sei, wir eine Information hierüber erhielten und dann ganz gewiss der entsprechende Tarif gebucht werden könne, da wir ja bereits in der Warteschlange seien. Wir sind gespannt und werden nun wöchentlich bei der Telekom um einen neuen Stand nachfragen.

“Desperate times call for desperate measures.”

– Sprichwort

Disclaimer

Die Beschreibungen unterhalb der Bilder sind frei erfunden und dienen Unterhaltungszwecken.

3 thoughts on “Breitbandausbau in der Praxis

  1. Hei,

    du lässt dir hoffentlich keinen unsäglichen Hybridtarif (LTE plus DSL) aufschwätzen.

    Ich persönlich habe aus genau deinen Gründen (ich hatte noch viel mehr Ärger mit der Hotline, hab irgendwann das Telefon angebrüllt, das hab ich noch nie getan!) gekündigt und bekomme bald Internet von den heimischen Stadtwerken.

    Schneller und gleich teuer.

    Viel Erfolg!

  2. Du bist nicht alleine!
    Ich komme aus einer Region in der 4 Dörfer sich 1 DSLAM (Verteilerkasten) geteilt haben.
    Nun hat unser Dorf über 6 DSLAM und die Nachbar Dörfer auch. Aus meinem 16k Tarif auf den 6k geschalten wurden und nur 3k ankamen ist nun nach langer Langer Zeit und dem Aufrüsten auf 100k nun 250k geworden. Ankommen können allerdings nur 150k, da die Leitungen überlastet sind. Das der Bauer nebenan mit seiner Landwirtschaft und der Arzt nebenan auch Internet brauchen ist für viele immernoch ungewohnt. :(

    Lustigerweise haben wir zudem Pyur (Primacom) die nun seit der Übernahme kein Internet mehr anbieten.
    Es hat über 10 Jahre gedauert, aber wir haben nutzbares Internet.
    Früher oder später kommt die Möglichkeit. Am besten mit den Nachbarn und Gewerbetreibenden zusammenschliesen und Druck auf Seiten der Bundesnetzagentur, der Kommune und der Telekom machen. :)

    PS: Schau dir doch mal das an. :) https://www.youtube.com/watch?v=OOBnFncJDGo

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